Sri Lanka: Was vom Paradies noch übrig ist (2)

Am Fenster ziehen dicke Hügel aus saftigem Grün vorbei, so weit das Auge reicht, sehe ich Teeplantagen. In allen Schattierungen leuchtet das Grün, hoch und runter, immer das Gleiche und doch anders.

Die Strecke von Ella nach Kandy ist eine der schönsten Zugstrecken überhaupt. Auch nach Stunden wird es nicht langweilig, aus dem Fenster zu sehen. Immer wieder tauchen Verkäufer mit frittierten Irgendwas-Bällchen auf, ab und zu ziehen Straßen vorbei, Menschen winken. Unterwegs kommen wir an ein paar Bahnübergängen vorbei, an denen Anwohner die Schranke selbst öffnen und schließen müssen -mit den Händen, denn eigentlich ist es keine Schranke, sondern nur ein alter Holzpfahl.

Haputale und Lipton’s Seat

Ich steige in Haputale aus, es regnet den ganzen Tag. Am nächsten Morgen stehe ich um halb 5 auf, klettere in ein TukTuk und mache mich auf den Weg zu Lipton’s Seat. Am Anfang fliegt das TukTuk nur so dahin, schwerelos und elfengleich. Je weiter wir den Berg erklimmen, desto schwerfälliger wird das TukTuk. Es knattert und ächzt, zwischendrin knallt es. Plötzlich hält der Fahrer an, schiebt sich die Mütze nach hinten und zuckt mit den Schultern: Tank leer, sorry, Liebes. Also laufe ich die letzten zwei Kilometer, während er leise den Berg hinab rollt.

Alle paar Meter bleibe ich stehen und staune, drehe mich immer wieder im Kreis. Was da vor mir liegt kann nicht echt sein. Es ist einer dieser Momente, nein, es sind unzählige Momente, in denen ich vor Glück platzen könnte, weil ich genau hier und jetzt an diesem Ort bin.

Das, was ich sehe, ist atemberaubend schön.

Little Adam’s Peak

Der Weg nach oben zum Little Adam’s Peak ist ein Traum. Wir laufen vorbei an kleinen Holzbuden, in denen man Obst und Zigaretten kaufen kann, nur das Nötigste für unterwegs. Alte Frauen stehen am Wegesrand, an ihre Besen gelehnt und winkend. Kinder spielen Fußball, werfen Wasserbomben, lachen laut.

Immer höher windet sich der Pfad, zwischen Teeplantagen durch, vorbei an Kühen, Straßenhunden und Touristen, die alle zwei Meter Blumen fotografieren. Sie tragen dicke Wanderstiefel und beige Klamotten, so wie man sich Rentner eben vorstellt, die im Urlaub Berge hochkraxeln. Sie stapfen im Gleichschritt den Berg hoch, machen Fotos von Blumen und haben ein Lunch-Paket dabei.

„Vorbereitung ist das A und O“, sagt Klaus, und er muss es wissen, schließlich bringt er seine Liesbeth schon seit fast 40 Jahren an die entlegensten Orte der Welt. Ich laufe barfuß, habe aber für den Fall der Fälle ein paar Turnschuhe dabei -und meine Kamera. Vielleicht bin ich einfach zu optimistisch und habe die Länge des Spaziergangs (sorry: der Wanderung) unterschätzt, vielleicht bin ich einfach unorganisiert und unvorbereitet.

Trotzdem stehe ich eine Stunde später oben auf dem Little Adam’s Peak und blicke über die Schlucht von Ella. Genau dafür lohnt sich der Weg nach Sri Lanka.
Auf dem Weg nach unten treffe ich Klaus und Liesbeth wieder –sie machen gerade eine Pause und teilen ihr Mittagessen mit den Hunden. Klaus klopft mir auf die Schulter:

„Kind, bin ich froh, dass du dir in den Schlappen nicht die Haxen gebrochen hast!“

Man erreicht den Little Adam’s Peak von Ella aus in ungefähr einer Stunde –es geht zwar bergauf, aber richtig anstrengend ist es nicht, weil man ja sowieso die meiste Zeit stehen bleibt und staunt. Man kann die Stufen zum Gipfel hoch laufen oder einfach links entlang in Schlangenlinien durch dickes Gestrüpp den alten Pfad nehmen. Da gibt es dann keine Stufen und obwohl der Weg länger ist, ist man schneller oben.

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