Fotografie, Italien
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Im Zug durch Italien: Ein bisschen Eis passt noch rein

Mein Papa trinkt gerne Espresso. Also, richtig guten und das am Liebsten in Italien. Weil meine Eltern ziemlich cool sind, wie man so sagt, ist es heute fast schon Tradition, dass wir einmal im Jahr zusammen wegfahren. 

Die Idee: Wir treffen uns in Pisa. Der Plan: 5 Wochen durch Italien, Frankreich und Spanien reisen, Freunde und Bekannte besuchen, Eis essen, die Sonne genießen. 

Mit dem Zug immer weiter am Meer entlang. Von Mailand über Pisa und Florenz nach Genua, San Remo und weiter nach Frankreich und Spanien. 

Aber von vorn: 

Es ist schön in Mailand. Wir essen Pizza, Eis und Gebäck, jeden Tag. An fast jeder kleinen, schön eingerichteten Bäckerei holen wir eine Kleinigkeit, man muss schließlich alles probiert haben. Wir spazieren durch Gärten, essen, bestaunen den Dom ein bisschen. Es regnet, wir haben keinen Regenschirm, wir essen. 

Nach ein paar Tagen steige ich in den Zug nach Pisa. Ich lerne ein paar Zeichen der italienischen Zeichensprache, unterhalte mich mit Nonnas, lerne Michelle und Miguel kennen. Sie ist Französin, 27 Jahre alt, studiert zur Zeit in Madrid, wohnt in einer WG mit Miguel, 79 Jahre alt. Als Michelle ihm ein paar Wochen zuvor sagte, sie würde im Sommer mit dem Zug durch Italien fahren, packte ihn die Abenteuerlust und er fuhr mit. Man muss Chancen nutzen, sagt er und lacht. 

In Pisa finden wir eine kleine Pizzeria in der Nähe der Wohnung, die Pizza ist fantastisch, der Limoncello schmeckt, zum schiefen Turm ist es auch nicht weit. Wir lachen über Touristen mit Selfie-Stick, über jene, die den Turm mit purer Muskelkraft aufzurichten versuchen, und verteilen High-Fives an die, die wie Idioten mit der Hand in der Luft herumstehen und darauf warten, dass niemand durch ihr Foto läuft.

Irgendwann wollen wir mit dem Zug nach Florenz fahren. Uns bleiben drei Minuten bis Abfahrt, das schaffen wir locker. Mama kauft die Karten, wir hechten zum Gleis. Zeitgleich fährt der Zug ein, die Türen öffnen sich, wir stellen fest, dass wir irgendwo zwischen Fahrkartenautomat und amerikanischer Reisegruppe Papa verloren haben. Ich laufe zurück zur Unterführung, vielleicht hat er sich im Gleis geirrt? Kein Papa in Sicht. Hinter mir piept der Zug, die Türen schließen, er fährt ruckelnd los. Wir stehen am Gleis, Mama ist irritiert. Plötzlich Erleichterung auf ihrem Gesicht, dann Entsetzen. Hinter mir schlendert Papa zum Gleis, breit grinsend und glücklich wie ein Kind an Weihnachten, weil er es vor der langen Zugfahrt noch zum Kiosk geschafft hat um Schokolade zu kaufen. Und stolz wie Bolle ist er auch, weil er zudem für jeden die Lieblingsschokolade gefunden hat. Als er Mamas Gesicht sieht, lässt er die Hand mit der Schokolade langsam sinken. Und so stehen wir dann da, Mama enttäuschtwütendhalblachend, ich lachend, Papa leicht beschämtglücklich und essen Schokolade. Wir fahren dann mit dem nächsten Zug nach Florenz. 

In Florenz angekommen dann das Übliche: Großstadtverkehr, Menschenmengen, Touristengruppen, überteuerte Preise, Selfie-Sticks in allen Farben, Taschendiebe und unheimliche ältere Männer, die junge Frauen an Karussellen ansprechen um ihnen Komplimente zu machen. Kurzum: Nicht wirklich schön. Dann biegen wir ein paar Mal ab, lassen berühmte Brücken und den Großteil der Touristen hinter uns und finden uns im Park Giardino Bardini wieder.

Die Wege sind steil, die Hecken spenden nur bedingt Schatten, der Kies knirscht unter unseren Schuhen. Ich würde gerne sagen, dass alle Strapazen vergessen sind als wir oben ankommen, weil das immer so schön klingt wenn Leute das sagen. Aber es ist meistens irgendwie ja doch gelogen, und in diesem Fall ist es definitiv nicht so. Meine Beine brennen, die Knie zittern, es ist heiß, kurzum: Die Strapazen werde ich so schnell nicht vergessen. Aber die Aussicht über Florenz, die ist wirklich ganz wunderbar.

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