Ein Streifzug durch Valencia

Was ich auf Reisen am meisten mag, ist es, mich einfach treiben zu lassen. Mal nicht selbst zu entscheiden, wo ich hingehe, was ich mache, wo ich esse. Einfach mal Ja sagen, zu allem, was das Leben so zu bieten hat. So war das auch in Valencia, weil ich in Norwegen einen Spanier traf, der im Januar nichts lieber tat als mir seine Heimat zu zeigen. Also sagte ich Ja und Amen zu Ausflügen und Essen, stieg in Busse ein, von denen ich keine Ahnung hatte, wo sie mich hinbringen würden, redete mit allen möglichen Leuten, die wir unterwegs so trafen und hatte am Ende unglaublich viel von Valencia gesehen, aber keine Ahnung, wie ich da überhaupt hingekommen war.

Aber das ist am Ende ja eigentlich auch egal, denn Valencia hat mich verzaubert und ich finde dort jedes Mal aufs Neue wunderschöne Ecken.

Valencia ist eine Stadt zum Glücklichsein

Wir starten unseren kleinen Streifzug im Jardín de Monforte, der zumindest ein paar Blütenprachten bereit hält. Es ist ein kleiner, aber feiner Garten und ich bin mir sicher, dass er im Frühjahr wunderschön ist. Danach laufen wir zum Jardín Botánico, dem Botanischen Garten, der neben riesigen, ineinander verwundenen Bäumen auch Kakteen und einen Baum mit Durchgang bietet. Kakteen liebe ich seit meinem Besuch im Kaktusgarten auf Lanzarote, und auch in Valencia kann man ziemlich viele verschiedene Arten bewundern. Immer mal wieder findet man eine Katze, die sich sonnt, oder einen Touristen, der unbedingt einen Kaktus anfassen muss und es dann sofort bereut. Der Baum mit Durchgang wirkt zunächst eher unscheinbar, aber wenn man dann den Text dazu liest und ein bisschen Fantasie hat, ändert sich das ganz schnell: Man wird dazu angehalten, nicht einfach nur in diesem Durchgang zu sitzen, um Fotos zu machen, sondern ganz bewusst die verschiedenen Schichten Holz anzusehen. Daran zu denken, wie der Baum im Laufe der Zeit immer größer wurde, wie viele Menschen ihn gesehen und berührt und die gleiche Luft geatmet haben wie er. Und man kann halt auch durch diesen Baum hindurch laufen, wer das nicht cool findet, passt nicht in meine Welt.

Vom Botanischen Garten aus ist man ganz schnell an den Torres de Quart, einem der beiden noch erhaltenen Stadttore. Es liegt nicht ganz so zentral wie die Torres de Serranos, aber ich finde es schöner. Man sieht noch wo die Bomben des Unabhängigkeitskrieges Löcher in den Außenwänden hinterlassen haben. Und dann stehen wir einfach davor und staunen, weil wenn man das sieht und anfasst und sich dann daran erinnert wie alt dieses Stadttor ist, und was alles passiert ist, was es überstanden hat, dann fühlt man sich ziemlich klein in dieser Welt, aber auch irgendwie besonders, weil man das Glück hat, hier und heute und jetzt glücklich zu sein.

 

Im Herzen Valencias: El Barrio del Carmen

Die Altstadt Valencias ist der perfekte Ort, um einfach mal einen Tag zu verplempern. Wir lassen uns durch die gewundenen Gassen treiben, entdecken Kunst an jeder Ecke, schöne Gebäude, kleine Balkone mit bunten Blumen. Wir laufen zum Plaza del Ayuntamiento (Rathausplatz), zur Lonja de la Seda (Seidenbörse), zum Estació del Nord (Nordbahnhof), der wunderschön bemalte Decken hat und an den Wänden Fliesen, die einem in allen möglichen Sprachen eine Glückliche Reise wünschen. Wir drücken uns in der Kathedrale an Absperrungen vorbei, um die Touristenmassen hinter uns zu lassen, bestaunen Fenster und vergoldete Bibelszenen, von denen wir eigentlich keine Ahnung haben. Wir sitzen andächtig auf einer Bank in der Kapelle, flüstern uns Geheimnisse zu und reden über Gott und woran wir glauben. Was uns bewegt im Leben und wie man manchmal Menschen findet, mit denen man einfach über alles reden kann, obwohl man sie gar nicht kennt. Denn genau das machen wir, und dabei ist es egal, dass ich eigentlich gar nicht wirklich Spanisch spreche.

 

La Ciudad de las Artes y de las Ciencias – Die Stadt in der Stadt

Der Ort an dem man mit eigenen Augen sehen kann, dass Santiago Calatrava Gebäude entwerfen kann. Er hat fast alle in der Ciudad entworfen (nicht das L’Oceanogràfic), und auch den Turning Torso in Malmö, und ich finde, dass er sich in Valencia selbst übertroffen hat. Aber als Architekt kann man seiner Heimatstadt sowas durchaus mal hinzaubern. Mit den ganzen Wasserbecken und Strukturen ist es besonders abends und morgens ein wunderschöner Ort zum Spazieren und Fotografieren, und auch, wenn man keines der Gebäude betritt, kann man hier gut und gerne ein paar Stunden verbringen. Wer Zeit hat, läuft durch den Jardín del Turia oder fährt mit dem Fahrrad hin, der Weg lohnt sich definitiv.

Am Ende müssen wir natürlich zum Strand. Denn man kann nicht nach Valencia fahren, ohne wenigstens einen der drei Stadtstrände gesehen zu haben. Wir fahren mit dem Bus zum Playa de Malvarossa, wo wir an der Promenade sitzen, den Sonnenuntergang und die vorbeilaufenden Menschen beobachten, das Salz auf den Lippen schmecken und einfach mal eine Weile nichts tun.

Und während ich da so sitze, denke ich, dass Valencia in Spanien für mich sowas wie Porto in Portugal sein könnte: Eine wunderschöne, überschaubare Stadt, in die ich mich direkt verliebt habe. Meine Stadt in Spanien, endlich.

 

 

 

 

 

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