Cabo Verde: Brief an den Atlantik

Lieber Atlantik,

Weißt du eigentlich, dass du Freiheit für mich bist? Das liegt schon daran, wie du riechst: salzig, frisch und voller Abenteuer. Du bist wild und sanft, manchmal angsteinflößend, manchmal zahm. Du bist temperamentvoll, schäumend und voller Geheimnisse.

Jetzt bin ich hier, bei dir, laufe am Strand entlang und freue mich, wenn das Wasser meine Füße erreicht. Es ist ganz sanft und kühl, als wärest du heute besonders vorsichtig. Doch wenn ich ein Stück auf dich zukomme, dir näher sein will, dann lässt du eine Welle heran donnern, die so stark ist, dass es mich fast von den Füßen reißt. Der Sand unter mir verschwindet wie von Zauberhand, die Kälte lässt meinen Atem stocken und für einen kurzen Moment stelle ich mir vor wie das ist, von dir verschlungen zu werden.

 

In Portugal habe ich mich in deine Fluten gestürzt, wollte endlich surfen lernen und eins sein mit dir, aber du wolltest nicht. Stattdessen hast du mich grün und blau geschlagen und an den Strand gespült. Auf Lanzarote habe ich dich von den Klippen aus betrachtet und deine Stärke bewundert und hier, in Cabo Verde, höre ich dir einfach nur zu. Das Rauschen deiner Wellen versetzt mich in eine Art Trance, die Welt um mich herum verblasst.

Fast knietief versinke ich im nassen Sand, finde Krabben und von dir ausgespuckte Quallen. Sie sind mir suspekt, diese komischen Tiere, und ich weiß, dass du davon jede Menge hast, auch solche, die noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat.

Das macht aber nichts, denn am liebsten beobachte ich dich stundenlang vom Strand aus, wenn du die schönsten Sonnenuntergänge spiegelst und dein Rauschen von fernen Ländern und Abenteuern erzählt. Wenn der Wind, den du heran trägst, nach Freiheit riecht und ich das Salz auf meinen Lippen schmecken kann. Dann liebe ich dich, für alles, was du bist, für alles, was du kannst, für alle Erinnerungen, die ich mit dir verbinde.

 

 

 

 

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