Neueste Artikel

Cabo Verde: Brief an den Atlantik

Lieber Atlantik,

Weißt du eigentlich, dass du Freiheit für mich bist? Das liegt schon daran, wie du riechst: salzig, frisch und voller Abenteuer. Du bist wild und sanft, manchmal angsteinflößend, manchmal zahm. Du bist temperamentvoll, schäumend und voller Geheimnisse.

Jetzt bin ich hier, bei dir, laufe am Strand entlang und freue mich, wenn das Wasser meine Füße erreicht. Es ist ganz sanft und kühl, als wärest du heute besonders vorsichtig. Doch wenn ich ein Stück auf dich zukomme, dir näher sein will, dann lässt du eine Welle heran donnern, die so stark ist, dass es mich fast von den Füßen reißt. Der Sand unter mir verschwindet wie von Zauberhand, die Kälte lässt meinen Atem stocken und für einen kurzen Moment stelle ich mir vor wie das ist, von dir verschlungen zu werden.

 

In Portugal habe ich mich in deine Fluten gestürzt, wollte endlich surfen lernen und eins sein mit dir, aber du wolltest nicht. Stattdessen hast du mich grün und blau geschlagen und an den Strand gespült. Auf Lanzarote habe ich dich von den Klippen aus betrachtet und deine Stärke bewundert und hier, in Cabo Verde, höre ich dir einfach nur zu. Das Rauschen deiner Wellen versetzt mich in eine Art Trance, die Welt um mich herum verblasst.

Fast knietief versinke ich im nassen Sand, finde Krabben und von dir ausgespuckte Quallen. Sie sind mir suspekt, diese komischen Tiere, und ich weiß, dass du davon jede Menge hast, auch solche, die noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat.

Das macht aber nichts, denn am liebsten beobachte ich dich stundenlang vom Strand aus, wenn du die schönsten Sonnenuntergänge spiegelst und dein Rauschen von fernen Ländern und Abenteuern erzählt. Wenn der Wind, den du heran trägst, nach Freiheit riecht und ich das Salz auf meinen Lippen schmecken kann. Dann liebe ich dich, für alles, was du bist, für alles, was du kannst, für alle Erinnerungen, die ich mit dir verbinde.

 

 

 

 

Aus Neufundland, für Dich

Es ist ziemlich grau und düster hier draußen, morgens in Neufundland. Dicke Nebelschwaden hängen an den Bergspitzen, hüllen sie ein und lassen sie verschwinden. Die Luft ist klar und es riecht nach Regen, aber vielleicht habe ich Glück und bleibe heute verschont. Vielleicht klart gleich alles auf, wenn der Wind die Wolken und den Nebel vertreibt und die Sonne das Wasser funkeln lässt. Vielleicht.

Du hast immer gesagt, dass du gerne mal nach Norwegen fahren würdest. Ich glaube, da ist es manchmal auch so grau und neblig. Ganz bestimmt ist es da auch so kalt. Meine Hände sind schon ganz steif, meine Nase ist rot angelaufen und meine Beine zittern unter mir. Ich stehe auf einem Boot, das mich mit einigen anderen Reisenden zusammen durch den Western Brook Pond fährt. Das Wasser schlägt in Wellen an die Felswände, die zu beiden Seiten emporragen und ziemlich bedrohlich aussehen. Wir fahren direkt in den Nebel hinein, vorbei an Wasserfällen, die aus über hundert Metern Höhe hinab tosen und meine Haut mit Wassertropfen benetzen. Links entdeckt jemand einen Bären und alle laufen los, um einen Blick auf ihn zu werfen. Ich bleibe stehen und schaue auf die Felsen. Dort, diese Felsspalte, die nutzen Caribou, um den Berg hinauf zu klettern. Sie schwimmen durch Western Brook Pond, einer nach dem anderen, jedes Jahr wieder. Ich stelle mir vor, wie sie sich durch das kalte Wasser kämpfen, auf der anderen Seite angekommen ihr Fell ausschütteln und dann direkt weiter laufen, immer weiter, bis sie ganz oben sind.

Brimstone Head, Fogo Island

Du hast mal zu mir gesagt, dass ich dir schöne Fotos und Geschichten mitbringen soll, weil du vielleicht nie dorthin kommen würdest. Und immer, wenn ich dir Geschichten erzähle, dann hörst du zu. Du hörst dir jedes Detail an, lässt dich von mir in eine andere Welt entführen, siehst die Bilder, die ich dir mit meinen Worten zu malen versuche. Du hörst zu und lachst und schüttelst den Kopf, denn ich kann dir auch von den nicht so perfekten Erlebnissen erzählen. Von all den Dingen, die schief gehen, von meinen vielen Missgeschicken, wir lachen dann einfach zusammen darüber. Und mit jeder Geschichte, die du dir von mir erzählen lässt, mit jedem Gedanken, den wir teilen, bringe ich dir die Welt in meinem Kopf, meine Welt, ein Stückchen näher. Ich denke an dich; an all die Geschichten, die ich dir erzählen werde. Und daran, wie wir dann lachen und über verrückte Dinge staunen. Ich denke an die Worte, mit denen ich dir beschreiben werde, was mich hier umgibt, was mich beschäftigt. Ich denke an die neuen Geheimnisse, die ich mit dir teilen werde, und daran, dass wir gar nicht nach Norwegen fahren müssen, um zusammen zu verreisen. Denn du bist auch so immer dabei. In meinem Kopf sind wir jetzt zusammen hier, in Neufundland, auf dem Boot zwischen den hohen Felswänden.

Lanzarote: Ein bisschen Sommer im Winter

Lanzarote ist vor allem deswegen schön, weil es eigentlich immer warm ist. Kälter als 17 Grad wird es nur selten und trotzdem ist Lanzarote grün. Nicht überall, aber wenn, dann richtig. Da, wo es nicht so grün ist, sieht es dann aus wie auf dem Mond. Dunkles Geröll und Vulkangestein vor strahlend blauem Himmel bilden die schönsten Formen und leuchten in allen möglichen Braun- und Schwarztönen. Man kann sich fast nicht satt sehen an den Wellen und Bildern, die die Natur in den Stein gemalt hat.  Und dann ist da noch das Meer, das immer ganz in der Nähe rauscht.

Normalerweise hätte schon irgendwer die ganze Insel mit hässlichen Hochhäusern bebaut. Aber Lanzarote lässt das nicht mit sich machen, hat sich von César Manrique noch rechtzeitig retten lassen. Auf ihn gehen Gesetze zurück, laut denen Türen und Fensterläden braun, blau oder grün gestrichen werden müssen und Gebäude nicht mehr als zwei Stockwerke hoch sein dürfen. Es gibt sie, die Hochhäuser. Aber nur in Arrecife. Leuchtreklame ist ebenfalls verboten, aber das macht überhaupt nichts, man vermisst sie gar nicht.

Und weil César Manrique für so tolle Gesetze gesorgt hat, finden sich viele Künstler auf Lanzarote, die die Insel verschönern. Da gibt es riesige Windspiele und Kamele, Kunst zum Anfassen und Betreten. Die Jameos del Agua sind eine Kombination aus natürlichen und von Menschen geschaffenen Kunstwerken in einem der größten Lavatunnel der Welt. Höhlen mit skurrilen Dekorationen aus Glas, in denen sich das wenige Licht bricht und mysteriöse Schatten auf die Wände wirft. Vulkantunnel, in denen winzige Albino Krebse leben, die aussehen wie vom Himmel gefallene Sterne.

Die Cueva de los Verdes sind Teil des gleichen Lavatunnels und können in einem ca. 40 minütigen Rundgang besichtigt werden. Mit indirektem Licht und Musik erscheinen die Tunnel fast magisch.

Die schönsten Aussichtspunkte auf Lanzarote

La Graciosa (dt: Die Anmutige) ist eine kleine Insel, die nur einen Kilometer vor der Küste Lanzarotes liegt. Sie ist die kleinste bewohnte Insel der Kanaren und wird von einer Gemeinde auf Lanzarote verwaltet, aber die Bewohner setzen sich dafür ein, als achte bewohnte Insel anerkannt zu werden. Für die schöne Aussicht lohnt sich die Fahrt zum Mirador del Río gleich doppelt.

Wem das noch nicht genug Aussicht ist, der kann zum Charco Verde (oder auch: Charco de los Clicos) fahren. Da hat Lanzarote einfach mal einen knallgrünen See an die Küste von El Golfo gezaubert. Im Winter ist oben auf dem Hang der Weg abgesperrt. 

Im Nationalpark Timanfaya wird man im Bus durch die Lavalandschaft gefahren, vorbei an tiefen Kratern, steilen Abhängen und geschmolzener Lava.

…und dann gibt es noch den Jardin del Cactus. Da kann man flauschige Kakteen streicheln und sich die Finger blutig piksen.