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Neuseeland: Einmal quer über die Südinsel! (Teil 1)

Es gibt einfach kaum etwas Schöneres, als mit dem eigenen Zuhause auf Zeit endlose Straßen in Richtung Horizont zu fahren, ohne Plan oder Zeitdruck, einfach nach Lust und Laune. Das Gefühl von Freiheit, der (noch ziemlich kalte) Fahrtwind im Gesicht, das Glücksgefühl, wenn man am Ende der Straße wieder am Meer raus kommt. Neuseeland ist klein mit viel Meer drum herum, es lohnt sich also. 

Nachdem wir in Christchurch den Camper abgeholt haben, zeigt ein Blick auf die Wettervorhersage, dass wir die Westküste im Norden besser meiden. Wir fahren also an der Ostküste entlang ein Stück in Richtung Süden. In einem kleinen Ort folgen wir einer noch kleineren Straße, an deren Ende wir einen einsamen Strand finden. Der Pazifik donnert laut über die Steine am Strand, der Wind pfeift zwischen den wenigen Bäumen hindurch und in der Ferne grasen Kühe. Wir parken, hier bleiben wir. 

Am nächsten Morgen stehe ich vor Sonnenaufgang auf, laufe am Strand entlang und sammle Steine. Hinter den Bergen geht der Mond unter, über dem Meer geht die Sonne auf. Es ist einer dieser Momente, die man nicht vergisst. Sonne und Mond gleichzeitig am Himmel, der in ein zartes Rosa getaucht ist, das Wasser reflektiert das Licht, und es ist furchtbar kalt. 

Wir frühstücken mit Blick auf den Pazifik und fahren los in Richtung Westküste. Unterwegs kommen wir an den ersten Seen vorbei: Lake Tekapo und Lake Pukaki. Es sind nicht nur die wunderschönen Seen, die Eindruck hinterlassen, sondern auch die ganzen wunderschönen Namen in Neuseeland. 

Lake Tekapo

Im Aoraki/Mt Cook Nationalpark verbirgt sich hinter jeder Kurve eine noch schönere Aussicht, ein noch besserer Blick auf die schneebedeckten Gipfel. Wir halten immer wieder an, steigen aus und staunen. Laufen über trockenes Gras den Hang hinab, ich stecke meine Hände in das eiskalte, leuchtend blaue Wasser des Sees.  

Der Blick über Lake Pukaki auf Aoraki/Mt. Cook
Der schönste Ort für eine kleine Kaffeepause
Aoraki/Mt Cook Nationalpark

Den Abschluss unseres Ausfluges in den Mount Cook Nationalpark bildet der Tasman Glacier. Ich liebe Eisberge und Gletscher und konnte es kaum erwarten, dieses Mal ganz nah an an das Eis heranzukommen. Nach einem halbstündigen Fußmarsch erreichen wir die Mündung des Flusses. Auf dem See schwimmen große Eisbrocken, immer wieder bricht ein Stück ab und landet geräuschvoll im Wasser. Außer uns traut sich niemand den mit Geröll bedeckten Hang hinab, also sitzen wir einfach eine Weile auf den Steinen und beobachten die Eisberge. 

Die wunderschöne Gletscherlandschaft
Blick auf den Tasman Lake

Norwegen: Einmal zum Nordkap, bitte!

Ich bin, wie immer, zu spät dran. Während ich mit der Rolltreppe ein Stockwerk höher fahre, fällt mir auf wie still es ist. Oben angekommen stehe ich vor einem Schild, das mich anhält, dort auf einen Mitarbeiter zu warten. Mache ich auch, bestimmt dreieinhalb Minuten, dann verlässt mich die Geduld. Ich laufe weiter in das Gebäude hinein, biege ein paar Mal ab und stehe vor einer großen Leinwand. Dahinter steht eine junge Frau und winkt mich näher heran, erklärt mir, sie müsse mir nur schnell ein Video zeigen. Macht sie dann auch und freut sich, dass ich keine Fragen dazu habe. Ich passiere eine Ticketkontrolle, laufe Treppen hinunter und stehe viel zu plötzlich vor dem Schiff.

Es ist die MS Lofoten der Hurtigruten: Ein wunderschönes Schiff, eines der kleinsten und das älteste, das noch in Betrieb ist. Es ist meine erste Gruppenreise, meine erste Reise in den hohen Norden, meine erste Schiffsreise. Sie wird mich von Bergen aus bis hoch nach Kirkenes und wieder zurück führen.

Am ersten Abend sehe ich kaum Leute -vermutlich, weil ich als einzige ewig nach meiner Kabine suche. Und dann nach dem Restaurant und der Bar, in der irgendein Treffen stattfindet, das ich verpasse, was aber nicht so schlimm ist, es gibt danach nochmal eins auf Englisch.

Nachts kann ich nicht schlafen, weil alles wackelt und laut ist. Trotzdem quäle ich mich in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett, denn Frühstück gibt es ab 7:30 Uhr, was mir 30 Minuten Zeit zum Essen gibt, bevor wir den Stadhavet überqueren –die erste offene Seestrecke. Und ich stelle fest: Mir wird nicht schlecht. Dafür schlafe ich unglaublich gut, während das Schiff schaukelt und mich vom Fußende zum Kopfende und wieder zurück schiebt.

Ålesund ’Akihi

In Ålesund verlasse ich das Schiff und laufe mit einigen anderen Reisenden durch kleine Gassen, bewundere Türme, Kirchen und pastellfarbene Häuser. Es dauert nicht lange bis wir uns verlaufen haben. Der Weg, der so klar erschien, macht keinen Sinn mehr, und obwohl wir uns so sicher waren, zu wissen, wo wir hin müssen, stehen wir am Ende irgendwo und wissen nicht weiter.

Also bitten wir um Hilfe, lassen uns den Weg erklären, laufen los und haben sie keine zwei Minuten später vergessen, die Wegbeschreibung. Im Hawaiianischen nennt man das ’Akihi. Hab ich mal irgendwo gelesen und es fällt mir natürlich genau in dem Moment auch wieder ein. Irgendwann kommen wir aber doch alle wieder am Boot an und ich finde meinen Lieblingsplatz für die nächsten 10 Tage: Draußen auf dem Deck, in einer kleinen Ecke, wo es windgeschützt ist und kaum jemand vorbei kommt, mit schönstem Blick auf all die Landschaft, an der wir langsam vorbei gleiten.

Über die Hustadvika nach Trondheim

Abends die nächste offene Seestrecke, Hustadvika. Dieses Mal wird mir schlecht, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. Es ist nicht weit bis zu meiner Kabine, aber meine Beine sind auf einmal Wackelpudding, mir wird heiß und kalt und gerade als ich mich frage, was zum Teufel ich mir dabei gedacht habe, ein Schiff zu betreten, sagt jemand: Keine Sorge, ich hab dich!, trägt mich die Treppe runter als wäre ich leicht wie eine Feder und bringt mich zu meiner Kabine. 

Ich verlasse mein Bett bis zum nächsten Morgen nicht mehr. Dafür stehe ich rechtzeitig auf, um zu sehen wie die MS Lofoten in Trondheim andockt. Ich verlasse das Schiff als erstes und alleine, noch vor dem Frühstück. Mein Spaziergang durch die Stadt führt mich zur Nidaros Kathedrale, durch enge, verschlafene Gassen mit kleinen Cafés, vorbei an Werkstätten und Boutiquen. Ich schlendere über die Gamle bybroen, die alte Stadtbrücke aus dem Jahr 1862, bewundere die bunten Häuser und freue mich riesig als es anfängt zu schneien.

Polarkreis und Nordkap, endlich!

Tag 4, es ist der 12. November 2017.

Gegen 07:00 morgens überquere ich das erste Mal in meinem Leben den Polarkreis. Weil ich nicht ganz sicher bin, wann wir ihn denn tatsächlich überqueren, stehe ich seit 06:30 Uhr draußen. Es ist dunkel, still, das erste Tageslicht zeigt sich erst gegen 08:00 Uhr morgens hinter den Bergen, wir treffen MS Polarlys, die wie in Magie gehüllt an uns vorbei gleitet. Ich winke und freue mich riesig, dass jemand zurück winkt. Es ist ein guter Tag, ich weiß es einfach.

Also lasse ich mir ein paar Stunden später bei der Polarkreistaufe eine Ladung Eiswasser und Eiswürfel in den Nacken kippen. Und danach dauert es nicht mehr lange, bis wir am Nordkap sind. Mit dem Bus fahren wir über eisige Straßen immer höher den Berg hinauf. Es schneit, es ist grau und dunkel und kalt, uns bleibt nicht viel Zeit -wir fahren vorsichtshalber schon ein bisschen früher wieder zurück zum Hafen, bevor wir ganz einschneien. Aber bis dahin staune ich: Es ist nicht wirklich viel, was man hier oben zu sehen bekommt, aber die Weite, die Kälte, der Wind -man steht ja irgendwie doch beinahe am Ende der Welt. Und dieses Gefühl, das mag ich. 

Im Zug durch Italien: Ein bisschen Eis passt noch rein

Mein Papa trinkt gerne Espresso. Also, richtig guten und das am Liebsten in Italien. Weil meine Eltern ziemlich cool sind, wie man so sagt, ist es heute fast schon Tradition, dass wir einmal im Jahr zusammen wegfahren. 

Die Idee: Wir treffen uns in Pisa. Der Plan: 5 Wochen durch Italien, Frankreich und Spanien reisen, Freunde und Bekannte besuchen, Eis essen, die Sonne genießen. 

Mit dem Zug immer weiter am Meer entlang. Von Mailand über Pisa und Florenz nach Genua, San Remo und weiter nach Frankreich und Spanien. 

Aber von vorn: 

Es ist schön in Mailand. Wir essen Pizza, Eis und Gebäck, jeden Tag. An fast jeder kleinen, schön eingerichteten Bäckerei holen wir eine Kleinigkeit, man muss schließlich alles probiert haben. Wir spazieren durch Gärten, essen, bestaunen den Dom ein bisschen. Es regnet, wir haben keinen Regenschirm, wir essen. 

Nach ein paar Tagen steige ich in den Zug nach Pisa. Ich lerne ein paar Zeichen der italienischen Zeichensprache, unterhalte mich mit Nonnas, lerne Michelle und Miguel kennen. Sie ist Französin, 27 Jahre alt, studiert zur Zeit in Madrid, wohnt in einer WG mit Miguel, 79 Jahre alt. Als Michelle ihm ein paar Wochen zuvor sagte, sie würde im Sommer mit dem Zug durch Italien fahren, packte ihn die Abenteuerlust und er fuhr mit. Man muss Chancen nutzen, sagt er und lacht. 

In Pisa finden wir eine kleine Pizzeria in der Nähe der Wohnung, die Pizza ist fantastisch, der Limoncello schmeckt, zum schiefen Turm ist es auch nicht weit. Wir lachen über Touristen mit Selfie-Stick, über jene, die den Turm mit purer Muskelkraft aufzurichten versuchen, und verteilen High-Fives an die, die wie Idioten mit der Hand in der Luft herumstehen und darauf warten, dass niemand durch ihr Foto läuft.

Irgendwann wollen wir mit dem Zug nach Florenz fahren. Uns bleiben drei Minuten bis Abfahrt, das schaffen wir locker. Mama kauft die Karten, wir hechten zum Gleis. Zeitgleich fährt der Zug ein, die Türen öffnen sich, wir stellen fest, dass wir irgendwo zwischen Fahrkartenautomat und amerikanischer Reisegruppe Papa verloren haben. Ich laufe zurück zur Unterführung, vielleicht hat er sich im Gleis geirrt? Kein Papa in Sicht. Hinter mir piept der Zug, die Türen schließen, er fährt ruckelnd los. Wir stehen am Gleis, Mama ist irritiert. Plötzlich Erleichterung auf ihrem Gesicht, dann Entsetzen. Hinter mir schlendert Papa zum Gleis, breit grinsend und glücklich wie ein Kind an Weihnachten, weil er es vor der langen Zugfahrt noch zum Kiosk geschafft hat um Schokolade zu kaufen. Und stolz wie Bolle ist er auch, weil er zudem für jeden die Lieblingsschokolade gefunden hat. Als er Mamas Gesicht sieht, lässt er die Hand mit der Schokolade langsam sinken. Und so stehen wir dann da, Mama enttäuschtwütendhalblachend, ich lachend, Papa leicht beschämtglücklich und essen Schokolade. Wir fahren dann mit dem nächsten Zug nach Florenz. 

In Florenz angekommen dann das Übliche: Großstadtverkehr, Menschenmengen, Touristengruppen, überteuerte Preise, Selfie-Sticks in allen Farben, Taschendiebe und unheimliche ältere Männer, die junge Frauen an Karussellen ansprechen um ihnen Komplimente zu machen. Kurzum: Nicht wirklich schön. Dann biegen wir ein paar Mal ab, lassen berühmte Brücken und den Großteil der Touristen hinter uns und finden uns im Park Giardino Bardini wieder.

Die Wege sind steil, die Hecken spenden nur bedingt Schatten, der Kies knirscht unter unseren Schuhen. Ich würde gerne sagen, dass alle Strapazen vergessen sind als wir oben ankommen, weil das immer so schön klingt wenn Leute das sagen. Aber es ist meistens irgendwie ja doch gelogen, und in diesem Fall ist es definitiv nicht so. Meine Beine brennen, die Knie zittern, es ist heiß, kurzum: Die Strapazen werde ich so schnell nicht vergessen. Aber die Aussicht über Florenz, die ist wirklich ganz wunderbar.

Ein Streifzug durch Valencia

Was ich auf Reisen am meisten mag, ist es, mich einfach treiben zu lassen. Mal nicht selbst zu entscheiden, wo ich hingehe, was ich mache, wo ich esse. Einfach mal Ja sagen, zu allem, was das Leben so zu bieten hat. So war das auch in Valencia, weil ich in Norwegen einen Spanier traf, der im Januar nichts lieber tat als mir seine Heimat zu zeigen. Also sagte ich Ja und Amen zu Ausflügen und Essen, stieg in Busse ein, von denen ich keine Ahnung hatte, wo sie mich hinbringen würden, redete mit allen möglichen Leuten, die wir unterwegs so trafen und hatte am Ende unglaublich viel von Valencia gesehen, aber keine Ahnung, wie ich da überhaupt hingekommen war.

Valencia ist eine Stadt zum Glücklichsein

Wir starten unseren kleinen Streifzug im Jardín de Monforte, der zumindest ein paar Blütenprachten bereit hält. Es ist ein kleiner, aber feiner Garten und ich bin mir sicher, dass er im Frühjahr wunderschön ist. Danach laufen wir zum Jardín Botánico, dem Botanischen Garten, der neben riesigen, ineinander verwundenen Bäumen auch Kakteen und einen Baum mit Durchgang bietet. Kakteen liebe ich seit meinem Besuch im Kaktusgarten auf Lanzarote, und auch in Valencia kann man ziemlich viele verschiedene Arten bewundern. Immer mal wieder findet man eine Katze, die sich sonnt, oder einen Touristen, der unbedingt einen Kaktus anfassen muss und es dann sofort bereut. Der Baum mit Durchgang wirkt zunächst eher unscheinbar, aber wenn man dann den Text dazu liest und ein bisschen Fantasie hat, ändert sich das ganz schnell: Man wird dazu angehalten, nicht einfach nur in diesem Durchgang zu sitzen, um Fotos zu machen, sondern ganz bewusst die verschiedenen Schichten Holz anzusehen. Daran zu denken, wie der Baum im Laufe der Zeit immer größer wurde, wie viele Menschen ihn gesehen und berührt und die gleiche Luft geatmet haben wie er.

Vom Botanischen Garten aus ist man ganz schnell an den Torres de Quart, einem der beiden noch erhaltenen Stadttore. Es liegt nicht ganz so zentral wie die Torres de Serranos, aber ich finde es schöner. Man sieht noch wo die Bomben des Unabhängigkeitskrieges Löcher in den Außenwänden hinterlassen haben. Und dann stehen wir einfach davor und staunen, weil wenn man das sieht und anfasst und sich dann daran erinnert wie alt dieses Stadttor ist, und was alles passiert ist, was es überstanden hat, dann fühlt man sich ziemlich klein in dieser Welt, aber auch irgendwie besonders, weil man das Glück hat, hier und heute und jetzt glücklich zu sein.

Im Herzen Valencias: El Barrio del Carmen

Die Altstadt Valencias ist der perfekte Ort, um einfach mal einen Tag zu verplempern. Wir lassen uns durch die gewundenen Gassen treiben, entdecken Kunst an jeder Ecke, schöne Gebäude, kleine Balkone mit bunten Blumen. Wir laufen zum Plaza del Ayuntamiento (Rathausplatz), zur Lonja de la Seda (Seidenbörse), zum Estació del Nord (Nordbahnhof), der wunderschön bemalte Decken hat und an den Wänden Fliesen, die einem in allen möglichen Sprachen eine Glückliche Reise wünschen. Wir drücken uns in der Kathedrale an Absperrungen vorbei, um die Touristenmassen hinter uns zu lassen, bestaunen Fenster und vergoldete Bibelszenen, von denen wir eigentlich keine Ahnung haben. Wir sitzen andächtig auf einer Bank in der Kapelle, flüstern uns Geheimnisse zu und reden über Gott und woran wir glauben. Was uns bewegt im Leben und wie man manchmal Menschen findet, mit denen man einfach über alles reden kann, obwohl man sie gar nicht kennt. 

La Ciudad de las Artes y de las Ciencias – Die Stadt in der Stadt

Der Ort an dem man mit eigenen Augen sehen kann, dass Santiago Calatrava Gebäude entwerfen kann. Er hat fast alle in der Ciudad entworfen (nicht das L’Oceanogràfic), und auch den Turning Torso in Malmö, und ich finde, dass er sich in Valencia selbst übertroffen hat. Aber als Architekt kann man seiner Heimatstadt sowas durchaus mal hinzaubern. Mit den ganzen Wasserbecken und Strukturen ist es besonders abends und morgens ein wunderschöner Ort zum Spazieren und Fotografieren, und auch, wenn man keines der Gebäude betritt, kann man hier gut und gerne ein paar Stunden verbringen. Wer Zeit hat, läuft durch den Jardín del Turia oder fährt mit dem Fahrrad hin, der Weg lohnt sich definitiv.

Am Ende müssen wir natürlich zum Strand. Denn man kann nicht nach Valencia fahren, ohne wenigstens einen der drei Stadtstrände gesehen zu haben. Wir fahren mit dem Bus zum Playa de Malvarossa, wo wir an der Promenade sitzen, den Sonnenuntergang und die vorbeilaufenden Menschen beobachten, das Salz auf den Lippen schmecken und einfach mal eine Weile nichts tun.

Und während ich da so sitze, denke ich, dass Valencia in Spanien für mich sowas wie Porto in Portugal sein könnte: Eine wunderschöne, überschaubare Stadt, in die ich mich direkt verliebt habe. Meine Stadt in Spanien, endlich.

Porto: Ein Wochenende in der schönsten Stadt

Porto ist wunderschön, das kann man einfach nicht oft genug sagen. Ich finde, ich habe riesiges Glück, ständig dort sein zu können, durch die Gassen zu wandern und über das Meer von Dächern bis zum richtigen Meer zu schauen. Es funkelt und leuchtet, ich liebe es.

An diesem Wochenende leuchtet alles noch mehr, denn so ist das im Leben, wenn man die richtigen Menschen um sich hat. Wenn man abends durch die Straßen streunt, einen Plastikbecher Bier in der Hand, sich durch die Menschenmassen auf den Straßen schlängelt, fremde Leute anquatscht, vor Bars und Kneipen sitzt, über den Sinn des Lebens philosophiert und bis frühmorgens um die Häuser zieht.

Und dann läuft man kilometerweit und stundenlang bis zum Meer, um dann lauthals zu lachen, wenn wieder jemandem schmerzhaft bewusst wird, dass der Atlantik vor allem eines ist: verdammt kalt.

Nachts dann ein Spaziergang zur anderen Seite des Flusses, nach Vila Nova de Gaia. Man hat die schönste Sicht auf Porto, im Douro spiegeln sich die Lichter der Stadt. Es ist ruhiger, aber nicht menschenleer. Es ist aber auch kälter, fast wie die Wellen am Tag zuvor. Auf der Brücke Dom Luís bläst mir der Wind die Haare ins Gesicht. Wir lehnen uns ans Geländer, unter uns nur die dunklen Tiefen des Douro und die funkelnden Lichter der Stadt. Mir wird schlecht davon, ich habe Höhenangst. Du lachst. Wir gehen auf der anderen Seite durch die dunklen Gassen zurück, hinab zum Douro.

Am nächsten Tag stehen wir wieder auf der Brücke und beobachten die Sonne, wie sie sich langsam den Himmel hinauf kämpft. Dicke Nebelschwaden liegen auf dem Douro, verstecken die Stadt vor unseren Blicken. Sie bewegen sich langsam den Fluss entlang, verschlingen Boote und Möwen, um sie kurz danach wieder auszuspucken. Sie hüllen alles mit ihrer Kälte ein, hinterlassen Wassertropfen auf allem, was sie berühren. Dann geben sie doch den Blick frei und die Sonne lässt Porto Haus für Haus erstrahlen, erweckt die Stadt zum Leben.

Und schon wieder liebe ich diese Stadt ein bisschen mehr.

Brief an das Verlorene

Liebe verlorene Sachen,

Manchmal, wenn ich meine Sachen packe, vergesse ich was. Eigentlich immer. In Kuba hatte ich keine Socken dabei, in Porto keine Sonnencreme, auf Madeira keinen Bikini und in Kanada keine Speicherkarten.

Ich weiß nicht genau, wann packen so kompliziert geworden ist. Zur Klassenfahrt nach Berlin oder in die Jugendherberge war das einfacher. Alle Lieblingsklamotten in den Koffer, der Rest regelt sich schon. Mittlerweile muss jede Menge Technik mit. Und natürlich immer noch Klamotten, allerdings weniger als früher. Ich habe Beutel, die fertig gepackt in einem Koffer auf dem Schrank liegen, die werden schon gar nicht mehr ausgepackt. Bin quasi immer bereit zum Abflug und das ist auch gut so, denn meistens packe ich erst nachts auf den letzten Drücker.

Ihr seht, es ist immer ein bisschen stressig. Und ich bin dann stolz, wenn ich Unterwäsche, Schminke, Socken und Bikinis dabei habe.  Umso härter trifft es mich, wenn meine Sachen auf Reisen verschwinden. Meistens lasse ich sie irgendwo liegen und es ist meine Schuld. Aber manchmal auch nicht.

 

 

Liebe Regenjacke,
die eines Tages aus meinem Hostel verschwand,

Liebe BHs,
die ich im Regenwald zum Trocknen über ein paar Äste hängte und nie wieder sah,

Liebe Unterwäsche,
die mir in einer Wäscherei geklaut wurde,

Liebe Taucherbrille,
von der ich gar nicht so genau weiß, wann oder wo oder wie sie verschwand,

Lieber linker Flip Flop,
den ich im karibischen Meer verloren habe,

Liebes Sandwich,
das ich in Kanada nur kurz auf einer Mauer ablegte, um meine Sachen zu ordnen,

Wo seid ihr nur?

Ich denke an euch! Ich stelle mir vor, dass meine Regenjacke jetzt irgendwo in London ist, da käme sie wenigstens öfter zum Einsatz als bei mir, oder wie ein dicker Kubaner meine BHs trägt und damit durch den Regenwald tanzt. Meine Taucherbrille hat jetzt ein Kind, das immer nach Schätzen tauchen wollte –ich hoffe, du findest welche! Mein Flip Flop ist vielleicht einmal um ganz Kuba geschwommen oder liegt jetzt in der Dominikanischen Republik am Strand. Und mein Sandwich, mein super leckeres von Tim Hortons, mit Honigsenf und Truthahn und knusprigem Bacon, ich hoffe, du hast deinem neuen Besitzer so gut geschmeckt wie alle deine Vorgänger mir!

 

Sri Lanka: Was vom Paradies noch übrig ist (2)

Am Fenster ziehen dicke Hügel aus saftigem Grün vorbei, so weit das Auge reicht, sehe ich Teeplantagen. In allen Schattierungen leuchtet das Grün, hoch und runter, immer das Gleiche und doch anders.

Die Strecke von Ella nach Kandy ist eine der schönsten Zugstrecken überhaupt. Auch nach Stunden wird es nicht langweilig, aus dem Fenster zu sehen. Immer wieder tauchen Verkäufer mit frittierten Irgendwas-Bällchen auf, ab und zu ziehen Straßen vorbei, Menschen winken. Unterwegs kommen wir an ein paar Bahnübergängen vorbei, an denen Anwohner die Schranke selbst öffnen und schließen müssen -mit den Händen, denn eigentlich ist es keine Schranke, sondern nur ein alter Holzpfahl.

Haputale und Lipton’s Seat

Ich steige in Haputale aus, es regnet den ganzen Tag. Am nächsten Morgen stehe ich um halb 5 auf, klettere in ein TukTuk und mache mich auf den Weg zu Lipton’s Seat. Am Anfang fliegt das TukTuk nur so dahin, schwerelos und elfengleich. Je weiter wir den Berg erklimmen, desto schwerfälliger wird das TukTuk. Es knattert und ächzt, zwischendrin knallt es. Plötzlich hält der Fahrer an, schiebt sich die Mütze nach hinten und zuckt mit den Schultern: Tank leer, sorry, Liebes. Also laufe ich die letzten zwei Kilometer, während er leise den Berg hinab rollt.

Alle paar Meter bleibe ich stehen und staune, drehe mich immer wieder im Kreis. Was da vor mir liegt kann nicht echt sein. Es ist einer dieser Momente, nein, es sind unzählige Momente, in denen ich vor Glück platzen könnte, weil ich genau hier und jetzt an diesem Ort bin.

Das, was ich sehe, ist atemberaubend schön.

Little Adam’s Peak

Der Weg nach oben zum Little Adam’s Peak ist ein Traum. Wir laufen vorbei an kleinen Holzbuden, in denen man Obst und Zigaretten kaufen kann, nur das Nötigste für unterwegs. Alte Frauen stehen am Wegesrand, an ihre Besen gelehnt und winkend. Kinder spielen Fußball, werfen Wasserbomben, lachen laut.

Immer höher windet sich der Pfad, zwischen Teeplantagen durch, vorbei an Kühen, Straßenhunden und Touristen, die alle zwei Meter Blumen fotografieren. Sie tragen dicke Wanderstiefel und beige Klamotten, so wie man sich Rentner eben vorstellt, die im Urlaub Berge hochkraxeln. Sie stapfen im Gleichschritt den Berg hoch, machen Fotos von Blumen und haben ein Lunch-Paket dabei.

„Vorbereitung ist das A und O“, sagt Klaus, und er muss es wissen, schließlich bringt er seine Liesbeth schon seit fast 40 Jahren an die entlegensten Orte der Welt. Ich laufe barfuß, habe aber für den Fall der Fälle ein paar Turnschuhe dabei -und meine Kamera. Vielleicht bin ich einfach zu optimistisch und habe die Länge des Spaziergangs (sorry: der Wanderung) unterschätzt, vielleicht bin ich einfach unorganisiert und unvorbereitet.

Trotzdem stehe ich eine Stunde später oben auf dem Little Adam’s Peak und blicke über die Schlucht von Ella. Genau dafür lohnt sich der Weg nach Sri Lanka.
Auf dem Weg nach unten treffe ich Klaus und Liesbeth wieder –sie machen gerade eine Pause und teilen ihr Mittagessen mit den Hunden. Klaus klopft mir auf die Schulter:

„Kind, bin ich froh, dass du dir in den Schlappen nicht die Haxen gebrochen hast!“

Man erreicht den Little Adam’s Peak von Ella aus in ungefähr einer Stunde –es geht zwar bergauf, aber richtig anstrengend ist es nicht, weil man ja sowieso die meiste Zeit stehen bleibt und staunt. Man kann die Stufen zum Gipfel hoch laufen oder einfach links entlang in Schlangenlinien durch dickes Gestrüpp den alten Pfad nehmen. Da gibt es dann keine Stufen und obwohl der Weg länger ist, ist man schneller oben.

Sri Lanka: Was vom Paradies noch übrig ist

Es ist oft so, dass man denkt, ein Land sei wunderschön, und meistens ist es das auch, aber wenn Menschen in der Gleichung auftauchen, dann wird aus wunderschön auch schnell mal furchtbar. So ist das in Sri Lanka auch.

Da sind Menschen, die ihren Müll achtlos dort hinschmeißen, wo sie gerade gehen und stehen; Menschen, die statt Toiletten lieber den Strand aufsuchen; Menschen, die Elefanten in Ketten legen, und die Menschen, die sich dann von den in Ketten gelegten Elefanten durch die Gegend tragen lassen.

Aber da sind natürlich auch noch andere Menschen: Die alte Frau, die mit Muscheln nach denen wirft, die sich am Strand nicht benehmen können. Der Restaurantbesitzer, der seine Kunden mit riesigen Schildern darauf hinweist, dass Straßenhunde willkommen sind –und wem das nicht passt, der solle bitte woanders essen. Die Frau, die Touristen um Spenden bittet, damit sie Reis und Hundefutter kaufen kann, um Straßenhunde zu füttern. Und da ist Sampath, der eine Woche lang jeden Tag mit mir zum Strand läuft, Geschichten erzählt und mir das Gefühl gibt, dass wir uns schon ewig kennen. So wird aus furchtbar dann wieder wunderschön.

Sri Lanka ist kein Paradies, aber wenn man genauer hinsieht, dann kann man das, was vom Paradies übrig ist, noch erkennen. Wie ein leiser werdendes Echo zieht es sich durch das ganze Land, mal lauter und dann wieder ganz leise.

Auf Walsafari in Sri Lanka

In Mirissa ist es heiß und schwül, aber Strand und Meer sind wunderschön. Ich stürze mich in die Wellen, finde Krebse und Muscheln und esse Eis zum Frühstück. Es gibt ein kleines Restaurant direkt am Wasser, ich bin jeden Tag mindestens einmal dort. Nirgendwo sonst schmecken die frittierten Bananen besser. Und Bananen esse ich andauernd: Zu Pfannkuchen, mit Honig, einfach so frisch von der Palme, im Obstsalat oder, war ja klar, mit Eis.

Außerdem steige ich in ein wackliges Boot und fahre hinaus auf den Indischen Ozean. Ich sehe Fischer, die in winzigen Booten auf dem riesigen Ozean umher treiben, eine Chinesin, der vor Aufregung ihr Smartphone ins Meer fällt, und natürlich Wale.

„Wenn ein Wal gesichtet wird, lauft bitte nicht alle auf eine Seite des Bootes, das kann böse enden“, sagt der Kapitän. Alle nicken brav und als der erste Wal gesichtet wird, kentern wir beinahe.

Im Reich der Elefanten

Ehmed hat ein rotes TukTuk, es ist sein ganzer Stolz. Damit fährt er uns in den Nationalpark Uda Walawe. Ich will endlich Elefanten sehen und zwar ganz viele. Morgens um 4 stehe ich auf, klettere in den offenen Jeep und lasse mich durch wunderschöne Landschaft zum Eingang des Parks fahren. Jedes Fahrzeug bekommt einen Guide zugeteilt, ich hab mal wieder riesiges Glück mit meinem.

„Wir können dahin fahren, wo auf jeden Fall Elefanten sind. Aber da sind auch alle anderen Jeeps. Oder wir probieren es auf gut Glück, dann kann ich nichts versprechen“

Versprechen muss er nichts, also fahren wir auf eigene Faust los und hoffen, so wenigen anderen Jeeps wie möglich zu begegnen. Zwanzig Minuten später stehen wir an einem Wasserloch und ich sehe das erste Mal in meinem Leben Wasserbüffel. Sie liegen einfach so im Wasser, manche spielen, andere schlafen. Hinter ihnen erheben sich die Hügel Sri Lankas, die von der Sonne in milchiges Blau getaucht werden.

Kurz darauf steht er am Rand des Trampelpfades und wackelt mit den Ohren: Der erste Elefant. Mein Herz läuft über vor lauter Freude.

Wir fahren immer weiter, sehen Mungos, riesige Leguane, Pfauen, kleine Eidechsen, kleine Vögel, Wildkatzen, Adler, und immer wieder Elefanten. Da sind Mütter mit ihren Babys, ganze Herden und einsame Bullen. Sie beobachten uns aus dem Dickicht heraus und verfolgen jede unserer Bewegungen.

Das Ding mit ist: Wir alle wissen, dass Elefanten nicht in Zoos gehören. Sie gehören nicht eingesperrt, und dass man es doch tun muss, um sie vor Menschen zu schützen, ist furchtbar. Das ist klar, aber manchmal muss man eben vor so einem Elefanten stehen, damit das wirklich so richtig klar wird.

 

Fototagebuch Sintra oder: Vom Traum, Prinzessin zu sein

Prinzessin sein war noch nie mein Ding, und doch ist es genau mein Ding. Schlösser mag ich eigentlich nicht, lieber kleine Häuser. Aber wenn es bunt ist und schön aussieht, und dann auch noch einen märchenhaften Zauberwald zu bieten hat, dann wäre ein Teil von mir doch gerne Prinzessin. So auch in Sintra, wo der Palácio Nacional da Pena hoch über der Stadt türmt, in knallgelb, rot und orange, mit Türmen, deren Dach im Regen glitzern, mit Wald so weit das Auge reicht, und Licht, das so perfekt zwischen den Bäumen tanzt, das man sich gar nicht daran satt sehen kann.

Sintra ist winzig. Die Straßen sind schmal, über Kopfsteinpflaster kommt man in Parks, es gibt wunderschöne alte Häuser und Villen, und viele Touristen. Was an Erinnerungen bleibt, ist eine überteuerte, winzige Pizza; die Menschenmengen am Palast, das Gefühl von Regen auf meinem Gesicht, das Gefühl, König der Welt zu sein, ganz oben, voller Glück und Liebe und Farbe. Aber seht selbst:

 

 

Cabo Verde: Strandliebe auf Fogo

Ich laufe auf das blaue Tor zu, unter meinen Füßen knirscht der Sand. Im Garten wachsen Blumen, die in allen Farben blühen und Schmetterlinge anlocken, bunte Vögel sitzen in den Bäumen und beobachten mich. Als ich durch das Tor gehe, ist es als hätte ich eine andere Welt betreten. Es ist nicht mehr bunt, sondern angenehm trist. Schwarzer Sandstrand, der sich über mehrere Kilometer erstreckt, weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich in rauschenden Wellen und egal, wohin ich sehe, meine Augen blicken ins Extrem: Tiefschwarz oder blendend hell.

Es sind nur zwei Kilometer, die mein kleines Paradies von São Filipe, der Hauptstadt Fogos, trennen. Jeden Tag laufe ich am Strand entlang, bin immer wieder aufs Neue überrascht, was man an einsamen Stränden alles sieht und erlebt. Luna, Robertos Hund, folgt mir auf Schritt und Tritt. Wir buddeln Löcher in den Sand, werfen Stöckchen und laufen in die Wellen. Wer zuerst einen Rückzieher macht, verliert.

Wir finden Krabben, wundern uns über leuchtend bunte Quallen, die nachts an den Strand gespült wurden und beobachten Vögel. Immer wieder sehe ich Fischerboote, die gemütlich auf dem Atlantik schaukeln. Ich winke, die Fischer winken zurück. Links von mir rauscht das Meer, rechts von mir thronen oben auf den Klippen halb zerfallene Häuser.

Das Tortuga B&B auf Fogo

Mein kleines Paradies, das ist das Tortuga B&B. Es wird von Roberto, einem Italiener, der lieber in Cabo Verde leben wollte, geführt. Nicht nur der direkte Zugang zum Strand, das Rauschen der Wellen und die Hängematten sind Gründe, hier zu übernachten. Roberto ist ein ausgezeichneter Koch, jeden Tag gibt es frischen Fisch, aber auch Pasta –Fleisch nur auf Nachfrage.

Außerdem organisiert Roberto Taxis, englischsprachige Fahrer für Touren zum Vulkan und gibt Tipps für Ausflüge und Restaurants. Die schönsten Sonnenuntergänge Fogos sieht man übrigens auch hier. Genau hier.

Mein Aufenthalt auf Fogo wurde vom Tortuga B&B unterstützt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung bleibt davon natürlich unbeeinflusst.