Autor: Nina

Cabo Verde: Brief an den Atlantik

Lieber Atlantik, Weißt du eigentlich, dass du Freiheit für mich bist? Das liegt schon daran, wie du riechst: salzig, frisch und voller Abenteuer. Du bist wild und sanft, manchmal angsteinflößend, manchmal zahm. Du bist temperamentvoll, schäumend und voller Geheimnisse. Jetzt bin ich hier, bei dir, laufe am Strand entlang und freue mich, wenn das Wasser meine Füße erreicht. Es ist ganz sanft und kühl, als wärest du heute besonders vorsichtig. Doch wenn ich ein Stück auf dich zukomme, dir näher sein will, dann lässt du eine Welle heran donnern, die so stark ist, dass es mich fast von den Füßen reißt. Der Sand unter mir verschwindet wie von Zauberhand, die Kälte lässt meinen Atem stocken und für einen kurzen Moment stelle ich mir vor wie das ist, von dir verschlungen zu werden.   In Portugal habe ich mich in deine Fluten gestürzt, wollte endlich surfen lernen und eins sein mit dir, aber du wolltest nicht. Stattdessen hast du mich grün und blau geschlagen und an den Strand gespült. Auf Lanzarote habe ich dich von den …

Aus Neufundland, für Dich

Es ist ziemlich grau und düster hier draußen, morgens in Neufundland. Dicke Nebelschwaden hängen an den Bergspitzen, hüllen sie ein und lassen sie verschwinden. Die Luft ist klar und es riecht nach Regen, aber vielleicht habe ich Glück und bleibe heute verschont. Vielleicht klart gleich alles auf, wenn der Wind die Wolken und den Nebel vertreibt und die Sonne das Wasser funkeln lässt. Vielleicht. Du hast immer gesagt, dass du gerne mal nach Norwegen fahren würdest. Ich glaube, da ist es manchmal auch so grau und neblig. Ganz bestimmt ist es da auch so kalt. Meine Hände sind schon ganz steif, meine Nase ist rot angelaufen und meine Beine zittern unter mir. Ich stehe auf einem Boot, das mich mit einigen anderen Reisenden zusammen durch den Western Brook Pond fährt. Das Wasser schlägt in Wellen an die Felswände, die zu beiden Seiten emporragen und ziemlich bedrohlich aussehen. Wir fahren direkt in den Nebel hinein, vorbei an Wasserfällen, die aus über hundert Metern Höhe hinab tosen und meine Haut mit Wassertropfen benetzen. Links entdeckt jemand einen Bären …

Lanzarote: Ein bisschen Sommer im Winter

Lanzarote ist vor allem deswegen schön, weil es eigentlich immer warm ist. Kälter als 17 Grad wird es nur selten und trotzdem ist Lanzarote grün. Nicht überall, aber wenn, dann richtig. Da, wo es nicht so grün ist, sieht es dann aus wie auf dem Mond. Dunkles Geröll und Vulkangestein vor strahlend blauem Himmel bilden die schönsten Formen und leuchten in allen möglichen Braun- und Schwarztönen. Man kann sich fast nicht satt sehen an den Wellen und Bildern, die die Natur in den Stein gemalt hat.  Und dann ist da noch das Meer, das immer ganz in der Nähe rauscht. Normalerweise hätte schon irgendwer die ganze Insel mit hässlichen Hochhäusern bebaut. Aber Lanzarote lässt das nicht mit sich machen, hat sich von César Manrique noch rechtzeitig retten lassen. Auf ihn gehen Gesetze zurück, laut denen Türen und Fensterläden braun, blau oder grün gestrichen werden müssen und Gebäude nicht mehr als zwei Stockwerke hoch sein dürfen. Es gibt sie, die Hochhäuser. Aber nur in Arrecife. Leuchtreklame ist ebenfalls verboten, aber das macht überhaupt nichts, man vermisst …