Autor: Nina

Neuseeland: Einmal quer über die Südinsel! (Teil 1)

Es gibt einfach kaum etwas Schöneres, als mit dem eigenen Zuhause auf Zeit endlose Straßen in Richtung Horizont zu fahren, ohne Plan oder Zeitdruck, einfach nach Lust und Laune. Das Gefühl von Freiheit, der (noch ziemlich kalte) Fahrtwind im Gesicht, das Glücksgefühl, wenn man am Ende der Straße wieder am Meer raus kommt. Neuseeland ist klein mit viel Meer drum herum, es lohnt sich also.  Nachdem wir in Christchurch den Camper abgeholt haben, zeigt ein Blick auf die Wettervorhersage, dass wir die Westküste im Norden besser meiden. Wir fahren also an der Ostküste entlang ein Stück in Richtung Süden. In einem kleinen Ort folgen wir einer noch kleineren Straße, an deren Ende wir einen einsamen Strand finden. Der Pazifik donnert laut über die Steine am Strand, der Wind pfeift zwischen den wenigen Bäumen hindurch und in der Ferne grasen Kühe. Wir parken, hier bleiben wir.  Am nächsten Morgen stehe ich vor Sonnenaufgang auf, laufe am Strand entlang und sammle Steine. Hinter den Bergen geht der Mond unter, über dem Meer geht die Sonne auf. Es ist …

Norwegen: Einmal zum Nordkap, bitte!

Ich bin, wie immer, zu spät dran. Während ich mit der Rolltreppe ein Stockwerk höher fahre, fällt mir auf wie still es ist. Oben angekommen stehe ich vor einem Schild, das mich anhält, dort auf einen Mitarbeiter zu warten. Mache ich auch, bestimmt dreieinhalb Minuten, dann verlässt mich die Geduld. Ich laufe weiter in das Gebäude hinein, biege ein paar Mal ab und stehe vor einer großen Leinwand. Dahinter steht eine junge Frau und winkt mich näher heran, erklärt mir, sie müsse mir nur schnell ein Video zeigen. Macht sie dann auch und freut sich, dass ich keine Fragen dazu habe. Ich passiere eine Ticketkontrolle, laufe Treppen hinunter und stehe viel zu plötzlich vor dem Schiff. Es ist die MS Lofoten der Hurtigruten: Ein wunderschönes Schiff, eines der kleinsten und das älteste, das noch in Betrieb ist. Es ist meine erste Gruppenreise, meine erste Reise in den hohen Norden, meine erste Schiffsreise. Sie wird mich von Bergen aus bis hoch nach Kirkenes und wieder zurück führen. Am ersten Abend sehe ich kaum Leute -vermutlich, weil …

Im Zug durch Italien: Ein bisschen Eis passt noch rein

Mein Papa trinkt gerne Espresso. Also, richtig guten und das am Liebsten in Italien. Weil meine Eltern ziemlich cool sind, wie man so sagt, ist es heute fast schon Tradition, dass wir einmal im Jahr zusammen wegfahren.  Die Idee: Wir treffen uns in Pisa. Der Plan: 5 Wochen durch Italien, Frankreich und Spanien reisen, Freunde und Bekannte besuchen, Eis essen, die Sonne genießen.  Mit dem Zug immer weiter am Meer entlang. Von Mailand über Pisa und Florenz nach Genua, San Remo und weiter nach Frankreich und Spanien.  Aber von vorn:  Es ist schön in Mailand. Wir essen Pizza, Eis und Gebäck, jeden Tag. An fast jeder kleinen, schön eingerichteten Bäckerei holen wir eine Kleinigkeit, man muss schließlich alles probiert haben. Wir spazieren durch Gärten, essen, bestaunen den Dom ein bisschen. Es regnet, wir haben keinen Regenschirm, wir essen.  Nach ein paar Tagen steige ich in den Zug nach Pisa. Ich lerne ein paar Zeichen der italienischen Zeichensprache, unterhalte mich mit Nonnas, lerne Michelle und Miguel kennen. Sie ist Französin, 27 Jahre alt, studiert zur Zeit …

Ein Streifzug durch Valencia

Was ich auf Reisen am meisten mag, ist es, mich einfach treiben zu lassen. Mal nicht selbst zu entscheiden, wo ich hingehe, was ich mache, wo ich esse. Einfach mal Ja sagen, zu allem, was das Leben so zu bieten hat. So war das auch in Valencia, weil ich in Norwegen einen Spanier traf, der im Januar nichts lieber tat als mir seine Heimat zu zeigen. Also sagte ich Ja und Amen zu Ausflügen und Essen, stieg in Busse ein, von denen ich keine Ahnung hatte, wo sie mich hinbringen würden, redete mit allen möglichen Leuten, die wir unterwegs so trafen und hatte am Ende unglaublich viel von Valencia gesehen, aber keine Ahnung, wie ich da überhaupt hingekommen war. Valencia ist eine Stadt zum Glücklichsein Wir starten unseren kleinen Streifzug im Jardín de Monforte, der zumindest ein paar Blütenprachten bereit hält. Es ist ein kleiner, aber feiner Garten und ich bin mir sicher, dass er im Frühjahr wunderschön ist. Danach laufen wir zum Jardín Botánico, dem Botanischen Garten, der neben riesigen, ineinander verwundenen Bäumen auch Kakteen …

Porto: Ein Wochenende in der schönsten Stadt

Porto ist wunderschön, das kann man einfach nicht oft genug sagen. Ich finde, ich habe riesiges Glück, ständig dort sein zu können, durch die Gassen zu wandern und über das Meer von Dächern bis zum richtigen Meer zu schauen. Es funkelt und leuchtet, ich liebe es. An diesem Wochenende leuchtet alles noch mehr, denn so ist das im Leben, wenn man die richtigen Menschen um sich hat. Wenn man abends durch die Straßen streunt, einen Plastikbecher Bier in der Hand, sich durch die Menschenmassen auf den Straßen schlängelt, fremde Leute anquatscht, vor Bars und Kneipen sitzt, über den Sinn des Lebens philosophiert und bis frühmorgens um die Häuser zieht. Und dann läuft man kilometerweit und stundenlang bis zum Meer, um dann lauthals zu lachen, wenn wieder jemandem schmerzhaft bewusst wird, dass der Atlantik vor allem eines ist: verdammt kalt. Nachts dann ein Spaziergang zur anderen Seite des Flusses, nach Vila Nova de Gaia. Man hat die schönste Sicht auf Porto, im Douro spiegeln sich die Lichter der Stadt. Es ist ruhiger, aber nicht menschenleer. Es ist …

Brief an das Verlorene

Liebe verlorene Sachen, Manchmal, wenn ich meine Sachen packe, vergesse ich was. Eigentlich immer. In Kuba hatte ich keine Socken dabei, in Porto keine Sonnencreme, auf Madeira keinen Bikini und in Kanada keine Speicherkarten. Ich weiß nicht genau, wann packen so kompliziert geworden ist. Zur Klassenfahrt nach Berlin oder in die Jugendherberge war das einfacher. Alle Lieblingsklamotten in den Koffer, der Rest regelt sich schon. Mittlerweile muss jede Menge Technik mit. Und natürlich immer noch Klamotten, allerdings weniger als früher. Ich habe Beutel, die fertig gepackt in einem Koffer auf dem Schrank liegen, die werden schon gar nicht mehr ausgepackt. Bin quasi immer bereit zum Abflug und das ist auch gut so, denn meistens packe ich erst nachts auf den letzten Drücker. Ihr seht, es ist immer ein bisschen stressig. Und ich bin dann stolz, wenn ich Unterwäsche, Schminke, Socken und Bikinis dabei habe.  Umso härter trifft es mich, wenn meine Sachen auf Reisen verschwinden. Meistens lasse ich sie irgendwo liegen und es ist meine Schuld. Aber manchmal auch nicht.     Liebe Regenjacke, die eines Tages …

Sri Lanka: Was vom Paradies noch übrig ist (2)

Am Fenster ziehen dicke Hügel aus saftigem Grün vorbei, so weit das Auge reicht, sehe ich Teeplantagen. In allen Schattierungen leuchtet das Grün, hoch und runter, immer das Gleiche und doch anders. Die Strecke von Ella nach Kandy ist eine der schönsten Zugstrecken überhaupt. Auch nach Stunden wird es nicht langweilig, aus dem Fenster zu sehen. Immer wieder tauchen Verkäufer mit frittierten Irgendwas-Bällchen auf, ab und zu ziehen Straßen vorbei, Menschen winken. Unterwegs kommen wir an ein paar Bahnübergängen vorbei, an denen Anwohner die Schranke selbst öffnen und schließen müssen -mit den Händen, denn eigentlich ist es keine Schranke, sondern nur ein alter Holzpfahl. Haputale und Lipton’s Seat Ich steige in Haputale aus, es regnet den ganzen Tag. Am nächsten Morgen stehe ich um halb 5 auf, klettere in ein TukTuk und mache mich auf den Weg zu Lipton’s Seat. Am Anfang fliegt das TukTuk nur so dahin, schwerelos und elfengleich. Je weiter wir den Berg erklimmen, desto schwerfälliger wird das TukTuk. Es knattert und ächzt, zwischendrin knallt es. Plötzlich hält der Fahrer an, schiebt sich die Mütze nach hinten …

Sri Lanka: Was vom Paradies noch übrig ist

Es ist oft so, dass man denkt, ein Land sei wunderschön, und meistens ist es das auch, aber wenn Menschen in der Gleichung auftauchen, dann wird aus wunderschön auch schnell mal furchtbar. So ist das in Sri Lanka auch. Da sind Menschen, die ihren Müll achtlos dort hinschmeißen, wo sie gerade gehen und stehen; Menschen, die statt Toiletten lieber den Strand aufsuchen; Menschen, die Elefanten in Ketten legen, und die Menschen, die sich dann von den in Ketten gelegten Elefanten durch die Gegend tragen lassen. Aber da sind natürlich auch noch andere Menschen: Die alte Frau, die mit Muscheln nach denen wirft, die sich am Strand nicht benehmen können. Der Restaurantbesitzer, der seine Kunden mit riesigen Schildern darauf hinweist, dass Straßenhunde willkommen sind –und wem das nicht passt, der solle bitte woanders essen. Die Frau, die Touristen um Spenden bittet, damit sie Reis und Hundefutter kaufen kann, um Straßenhunde zu füttern. Und da ist Sampath, der eine Woche lang jeden Tag mit mir zum Strand läuft, Geschichten erzählt und mir das Gefühl gibt, dass wir uns schon …

Fototagebuch Sintra oder: Vom Traum, Prinzessin zu sein

Prinzessin sein war noch nie mein Ding, und doch ist es genau mein Ding. Schlösser mag ich eigentlich nicht, lieber kleine Häuser. Aber wenn es bunt ist und schön aussieht, und dann auch noch einen märchenhaften Zauberwald zu bieten hat, dann wäre ein Teil von mir doch gerne Prinzessin. So auch in Sintra, wo der Palácio Nacional da Pena hoch über der Stadt türmt, in knallgelb, rot und orange, mit Türmen, deren Dach im Regen glitzern, mit Wald so weit das Auge reicht, und Licht, das so perfekt zwischen den Bäumen tanzt, das man sich gar nicht daran satt sehen kann. Sintra ist winzig. Die Straßen sind schmal, über Kopfsteinpflaster kommt man in Parks, es gibt wunderschöne alte Häuser und Villen, und viele Touristen. Was an Erinnerungen bleibt, ist eine überteuerte, winzige Pizza; die Menschenmengen am Palast, das Gefühl von Regen auf meinem Gesicht, das Gefühl, König der Welt zu sein, ganz oben, voller Glück und Liebe und Farbe. Aber seht selbst:    

Cabo Verde: Strandliebe auf Fogo

Ich laufe auf das blaue Tor zu, unter meinen Füßen knirscht der Sand. Im Garten wachsen Blumen, die in allen Farben blühen und Schmetterlinge anlocken, bunte Vögel sitzen in den Bäumen und beobachten mich. Als ich durch das Tor gehe, ist es als hätte ich eine andere Welt betreten. Es ist nicht mehr bunt, sondern angenehm trist. Schwarzer Sandstrand, der sich über mehrere Kilometer erstreckt, weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich in rauschenden Wellen und egal, wohin ich sehe, meine Augen blicken ins Extrem: Tiefschwarz oder blendend hell. Es sind nur zwei Kilometer, die mein kleines Paradies von São Filipe, der Hauptstadt Fogos, trennen. Jeden Tag laufe ich am Strand entlang, bin immer wieder aufs Neue überrascht, was man an einsamen Stränden alles sieht und erlebt. Luna, Robertos Hund, folgt mir auf Schritt und Tritt. Wir buddeln Löcher in den Sand, werfen Stöckchen und laufen in die Wellen. Wer zuerst einen Rückzieher macht, verliert. Wir finden Krabben, wundern uns über leuchtend bunte Quallen, die nachts an den Strand gespült wurden und …